Seinlassen statt loslassen
Aktualisiert: 8. Sept.
„Du musst einfach loslassen.“
Wie oft hören wir diesen Satz, wenn uns etwas belastet?
Doch manchmal ist Loslassen gar nicht so einfach. Wir können einen Menschen, eine Enttäuschung, eine Erfahrung oder einen unerfüllten Wunsch nicht einfach aus unserem Inneren entfernen, nur weil wir beschlossen haben, ihn loszulassen. Und je mehr wir versuchen, etwas unbedingt loslassen zu müssen, desto mehr beschäftigen wir uns manchmal genau damit.
Vielleicht braucht es dann etwas anderes:
Seinlassen statt Loslassen.
Was bedeutet Seinlassen eigentlich?
Für mich bedeutet es, eine Situation zunächst so anzunehmen, wie sie gerade ist. Nicht mehr dagegen anzukämpfen und nicht ständig zu versuchen, sie anders haben zu wollen. Es bedeutet auch, anzuerkennen, dass manche Dinge außerhalb unseres Einflusses liegen.
Vielleicht hat sich ein Wunsch nicht erfüllt. Vielleicht hat sich ein Mensch anders entschieden, als wir gehofft haben. Vielleicht ist etwas geschehen, das wir nicht mehr rückgängig machen können.
Dann dürfen wir irgendwann sagen:
„Es ist, wie es ist. Ich lasse es jetzt sein.“
Das bedeutet nicht, dass uns die Situation plötzlich egal ist. Und es bedeutet auch nicht, dass wir unsere Gefühle verdrängen. Im Gegenteil. Wir dürfen traurig, enttäuscht oder wütend sein. Aber wir müssen nicht mehr ständig gegen das kämpfen, was bereits geschehen ist.
Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen Loslassen und Seinlassen.
Beim Loslassen haben wir manchmal das Gefühl, wir müssten etwas aktiv weggeben oder uns davon befreien.
Beim Seinlassen darf es einfach sein, ohne dass wir ihm weiterhin unsere ganze Kraft geben. Wir richten unseren Blick wieder auf das, was wir tatsächlich beeinflussen können.
Darum frage dich bei einer Situation, die dich schon lange beschäftigt:
Kann ich daran noch etwas verändern?
Wenn ja, dann werde aktiv.
Wenn nein, dann darfst du vielleicht aufhören, dagegen anzukämpfen.
Lass es sein.
Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Akzeptanz.
Manches müssen wir nicht loslassen. Manches dürfen wir einfach sein lassen.
Und vielleicht entsteht genau dadurch irgendwann das Loslassen ganz von selbst.






Kommentare